Wandern im Westerwald: Westerwaldsteig, Touren und Tipps

Wanderweg über eine sanft hügelige Hochfläche mit Herbstwald im Westerwald

Der Westerwald steht selten oben auf der Liste, wenn es um Wanderurlaub in einem deutschen Mittelgebirge geht. Das ist sein Vorteil. Beim Wandern im Westerwald haben Sie zwischen Rhein, Lahn, Sieg und Dill zertifizierte Fernwege und kurze Runden zu Weihern und Basaltkuppen, dazu Orte, in denen Wanderer willkommen sind, ohne dass sich die Wege füllen. Dieser Ratgeber zeigt, was Sie im Westerwald erwarten, und stellt beliebte Wanderwege mit Längen und Gehzeiten vor.

Der Westerwald als Wanderregion: Lage und Landschaft

Rund 3.000 Quadratkilometer umfasst das Gebirge. Es verteilt sich auf Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, wobei Rheinland-Pfalz den größten Anteil hat. Im Süden bildet die Lahn die Grenze, nach Westen fällt das Land zum Rhein hin ab, wo der Naturpark Rhein-Westerwald liegt.

Das Herz der Region ist der Hohe Westerwald. Dort ist die Fuchskaute mit 657 Metern der höchste Berg im Westerwald, und auf den offenen Hochflächen pfeift der Wind spürbar stärker als unten in den Tälern. Basaltkuppen vulkanischen Ursprungs prägen die Landschaft ebenso wie die Westerwälder Seenplatte (ein Sumpfgebiet mit sieben Weihern, der größte ist der Dreifelder Weiher).

Auf der anderen Rheinseite liegt eine ähnlich vulkanisch geprägte Landschaft, die wir im Beitrag über das Wandern in der Eifel beschreiben. Der Westerwald wirkt im Vergleich sanfter. Seine abwechslungsreiche Natur aus Wald und Wiesen lässt sich auf kurzen Wegen erkunden, und die nächste Einkehr in einem der kleinen Dörfer ist selten weit.

Westerwaldsteig: 235 Kilometer von Herborn an den Rhein

Der bekannteste Fernwanderweg ist der Westerwaldsteig. Er führt auf 235 Kilometern und 16 Etappen vom Marktplatz im hessischen Herborn bis nach Bad Hönningen am Rhein; alternativ endet die letzte Etappe in Rheinbrohl. Der Deutsche Wanderverband hat ihn als Qualitätsweg „Wanderbares Deutschland“ zertifiziert, und laut Westerwald Touristik-Service wird der Weg alle drei Jahre neu geprüft. Er zählt außerdem zu den Top Trails of Germany.

Unterwegs kommen Sie durch Westerburg, Bad Marienberg und Hachenburg, später an der alten Zisterzienserabtei Marienstatt vorbei und hinunter nach Waldbreitbach ins Wiedtal. Die Tagesabschnitte fallen unterschiedlich lang aus. Von Breitscheid nach Rehe sind es 17 km, von Rehe nach Rennerod nur 9. Ein grünes „W“ auf weißem Grund markiert die Hauptstrecke an Abzweigungen und etwa alle 200 Meter, Zuwege zu Bahnhöfen und Parkplätzen tragen ein grünes „W“ auf gelbem Grund.

Die ganze Strecke müssen Sie nicht gehen. Für einen Kurzurlaub eignen sich drei oder vier Etappen auf der Hochfläche sehr gut, weil dieser Abschnitt Fuchskaute und Seenplatte verbindet und die Etappenorte nah beieinander liegen.

Erlebnisschleifen am Westerwaldsteig

Für Tageswanderer gibt es die WesterwaldSteig-Erlebnisschleifen. Das sind Rundwege, die vom Steig abzweigen und zum Ausgangspunkt zurückführen. Drei Beispiele nach den Angaben des Westerwald Touristik-Service:

Erlebnisschleife Länge Höhenmeter Gehzeit Schwierigkeit
Romantische Seenplatte 16 km 107 3,9 Stunden leicht
Fuchsbau, Arnika und Bergeshöhe 18 km 270 4,8 Stunden schwer
Kloster Marienthal und das Ende der Welt 12 km 352 3,5 Stunden schwer

Für den Einstieg ist die leichte Schleife die beste Wahl, denn sie kommt mit gut 100 Höhenmetern aus und führt unter anderem am Postweiher vorbei.

Wäller Touren und weitere Rundwanderungen

Abseits des Steigs ist das Netz der Wanderwege dicht. Die zertifizierten Wäller Touren sind Tageswanderungen von 9 bis 22 Kilometern Länge, etwa die Tour Eisenbachtal bei Nomborn (9 km), Augst bei Neuhäusel (14 km) oder Elberthöhen bei Niederelbert (16 km). Für Familien und kürzere Nachmittage gibt es die Kleinen Wäller. Die Wolfsteine in Bad Marienberg messen 7 km, die Löwenspur in Hachenburg 8 km. Außerdem haken Gäste, die gern sammeln, die Touren im digitalen Wanderpass der kostenlosen App Summit Lynx ab und erwandern sich dort Medaillen.

Diese Wandertouren empfehlen Wanderportale immer wieder:

  • Holzbachschlucht: 4 km ab dem Hofcafé Dapprich, Gehzeit etwa 1 Stunde, besonders für Familien geeignet.
  • Rundwanderung Fuchskaute: 11 km durch das Dreiländereck, Gehzeit etwa 2,5 Stunden.
  • Sechs-Weiher-Weg: 15 km ab dem Dreifelder Weiher, Gehzeit etwa 4 Stunden.
  • Waldbreitbacher Wiedtal: 11 km ab dem Krippenmuseum, Gehzeit etwa 3 Stunden.
  • Kroppacher Schweiz: 17 km im Tal der Nister, Gehzeit etwa 5 Stunden, nur mit guter Kondition.
Stiller Waldsee mit Schilf und Holzsteg im Morgenlicht
Die Gewässer der Westerwälder Seenplatte liegen dicht beieinander und lassen sich gut zu einer Rundwanderung verbinden.

Für mehrere Tage kommen zwei weitere Fernwege infrage. Der Druidensteig ist 83 Kilometer lang, in sechs Tagesetappen eingeteilt und gilt als längste zertifizierte Geo-Route Deutschlands. Der Wiedweg folgt der Wied, dem längsten Fluss im Westerwald, und wurde 2022 erneut als Qualitätsweg ausgezeichnet.

Planung: Anreise, Jahreszeit und Ausrüstung

Anreise mit Bahn und Auto

Den Start des Westerwaldsteigs erreichen Sie einfach mit der Bahn. Vom Bahnhof Herborn sind es etwa 400 Meter bis zum Marktplatz, am Ziel hält der Zug in Bad Hönningen an der rechten Rheinstrecke. Mit dem Auto geht es über die A45 bis zur Ausfahrt Herborn-West und dann über die B255 oder B277 in die Höhenlagen. Für die Rundwege im Süden ist Montabaur ein guter Ausgangspunkt, denn die Stadt liegt an der A3 und hat einen ICE-Bahnhof an der Schnellfahrstrecke zwischen Köln und Frankfurt.

Die beste Jahreszeit

Gewandert wird hier das ganze Jahr. Besonders schön ist der Herbst, wenn sich die Laubwälder färben und die Temperaturen mild bleiben. Im Winter und nach längerem Regen sollten Sie auf naturnahen Pfaden mit rutschigem Matsch rechnen, zumal Laub Wurzeln oder Löcher verdecken kann. Im Frühsommer blüht auf den Bergwiesen des Hohen Westerwalds die Arnika, nach der auch eine der Erlebnisschleifen benannt ist.

Ausrüstung und Gehzeit

Feste Wanderschuhe mit Profil und eine Regenjacke reichen für die meisten Wege. Unterwegs auf den Höhen wird es schnell windig, deshalb gehört auch im Sommer eine warme Schicht in den Rucksack. Als Faustregel rechnet der Westerwald Touristik-Service mit etwa 4 Kilometern pro Stunde, also rund 2,5 Stunden reiner Gehzeit für 10 Kilometer. Pausen und Höhenmeter rechnen Sie hinzu. Wie Sie sich darüber hinaus vorbereiten, erklärt unser Ratgeber Im Urlaub wandern: So bereiten Sie sich vor.

Mit Hund sind die meisten Rundwege gut zu gehen. In Schutzgebieten und auf Weiden mit Vieh sollten Sie ihn an die Leine nehmen.

Infografik: Wandern im Westerwald in Zahlen mit Westerwaldsteig, Rundwegen, Erlebnisschleife und Fuchskaute
Die wichtigsten Wege und Zahlen für die Planung einer Wanderung im Westerwald auf einen Blick.

Praxis: Wandern im Westerwald als Kurzurlaub planen

Ob Sie an einem Ort bleiben oder von Etappe zu Etappe ziehen, hängt vor allem von Kondition und Gepäck ab. Für Standortwanderungen bieten sich Bad Marienberg oder Hachenburg an, weil von dort die Seenplatte und mehrere Kleine Wäller schnell erreichbar sind. Im Tal wohnen Sie in Waldbreitbach richtig. Am Krippenmuseum startet die Wiedtal-Runde, und auch die vorletzte Etappe des Steigs endet hier.

Auf der Seite des Westerwald Touristik-Service finden Sie Wanderpauschalen für den Steig, bei denen die Unterkünfte entlang der Strecke schon reserviert sind. Für einen Besuch über ein verlängertes Wochenende genügen zwei bis drei Wandertage. Mehr erleben Sie mit der Kombination aus einer Steig-Etappe und zwei Rundwanderungen.

Weitere Regionen vom Harz bis in die Alpen stellen wir in unserer Übersicht Wanderurlaub in Deutschland vor.

Checkliste für Ihre Tour

  • Route wählen: Steig-Etappe, Erlebnisschleife oder Rundweg, passend zu Länge und Höhenmetern
  • Gehzeit mit 4 km pro Stunde plus Pausen kalkulieren
  • Anreise klären: Bahnhof Herborn, Rheinstrecke oder Montabaur
  • Wetter prüfen, nach Regen mit rutschigen Pfaden rechnen
  • Feste Schuhe, Regenjacke, Windschicht und Wasser einpacken
  • Hund in Schutzgebieten und auf Weiden an die Leine nehmen
  • Unterkunft am gewählten Standort früh reservieren
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